SEO-Mythen für Anfänger: Keywords und Titel-Länge

Es gibt (mindestens) zwei SEO-Mythen, die sich offenbar ewig halten, obwohl sie nachweisbar falsch sind: Die Wichtigkeit der Keyword-Tags und eine fixe Angabe zur Länge im Title-Tag.

Das hat natürlich seine Gründe, die auch nachvollziehbar sind:

  1. SEO (Search Engine Optimization, Suchmaschinenoptimierung) ist ein sehr komplexes Feld und alles andere wie akademisch belegbar. Sogar das Gegenteil ist richtig: Jeder Suchmaschinen-Anbieter (und davon gibt es nicht so viele, die zudem auch noch relevant sind) hütet seine Ranking-Faktoren als Betriebsgeheimnis. Das ist auch völlig nachvollziehbar – denn einerseits wäre damit das Geschäftsmodell transparent und damit kopierbar und andererseits wäre das Ergebnis manipulierbar. Somit gibt es geschätzt mehrere 100 verschiedene Faktoren und dazugehörige empirische Beobachtungen, wie sich die auf das Ranking auswirken. Da der Mensch damit aber wenig anfangen kann, werden einige dieser Faktoren schlicht als Wahrheit verkauft und im Stille-Post-System durchs Web getragen.
  2. Wissen um SEO ist naturgemäß nur den Spezialisten allgegenwärtig – während derjenige, der SEO nicht als Beruf ausübt, dieses Wissen in anderen Zusammenhängen mitbekommt und sich dann ggf. lebenslang abspeichert. So enthalten zahlreiche Weiterbildungen und Schulungen bis hin zu universitären Ausbildungen SEO-Wissen aus der Konserve. Mit viel Glück ist das dort vermittelte Wissen nur wenige Monate, meist aber mehrere Jahre alt. Und in diesen Jahren hat sich das Internet schlicht verändert. Während man dieses Wissen eigentlich monatlich auf den Prüfstand stellen müsste, bleibt es verhaftet und wird tagtäglich weitergegeben.
  3. Andere machen es doch auch! Dieser klassische Denkfehler (der natürlich nicht nur hier anzutreffen ist) geht einfach davon aus, dass etwas funktionieren muss, weil andere es auch machen. Das ist natürlich kompletter Blödsinn und wird daher hier nicht weiter ausgeführt.

Aber nun zu den Mythen – in der Hoffnung diese zumindest ein wenig ausdünnen zu können.

Keyword-Tags

Das scheint bis heute die SEO-Waffe Nr. 1 zu sein, die offensichtlich in allen Ausbildungsunterlagen steht, die irgendwas mit Internet zu tun hat. Insbesondere lernt das auch jede Marketingfachkraft in der Ausbildung und jeder CEO spätestens über Executive Summaries oder den Blick in die Computer-BILD.

Auch wenn es hart klingt und ganzen Armeen von Online-Redakteuren schmerzhaft vor Augen führt, dass ca. 30% ihrer Arbeit im letzten Jahr hoffungslos umsonst war:

Der Inhalt des Meta-Tags “keyword” wird von Google weder ausgelesen noch ausgewertet. Und das bereits seit mindestens 2009. Offiziell. Punkt!

Gerne mit dann damit argumentiert, dass es ja noch weitere Suchmaschinen gäbe und diese das dann eventuell doch verwenden würden. Auch das ist falsch. Sicher gibt es weitere Suchmaschinenbetreiber – man muss aber die Relation sehen. Ungefähr 91% aller Suchanfragen weltweit läuft momentan über Google. Daneben gibt es Yahoo mit ca. 3% und auch diese verwenden offiziell seit 2009 das Metatags “keyword” nicht mehr. Lediglich Bing (mit ca. 3.5% Marktanteil und dieser liegt nahezu komplett in den USA) gibt an, dass Keywords ein “Signal” zwischen 1000 verwendeten Faktoren seien, aber keinesfall das Ranking beeinflussen würden.

Daher kann es nur eine einzige sinnvolle Reaktion darauf geben:

  1. Ignorieren Sie das Meta-Tag “keywords”
  2. Stecken Sie die bislang dafür  benötigte Zeit lieber in besseren Content
  3. Machen Sie sich frei von der Idee, das ein so komplexer Vorgang wie ein Suchmaschinen-Ranking von ein paar einfachen Worten abhängen, die Sie in ein Feld reinschreiben

Quellen:

Google verwendet das “keywords”-Meta-Tag nicht beim Ranking

http://searchengineland.com/the-meta-keywords-tag-lives-at-bing-why-only-spammers-should-use-it-96874

Yahoo Search No Longer Uses Meta Keywords Tag

Marktanteile der Top 5 Suchmaschinen weltweit (Stand: April 2013)

Länge des Titels

Die Idee, die aus SEO-Sicht hinter dem Seitentitel steht, ist eventuell deutlich schwerer zu verstehen, als dies noch beim Meta-Tag “keywords” der Fall war.

Sicherlich – und da sind sich alle Quellen einig – hat der Titel eines Dokuments einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Ranking. Auch logisch scheint zu sein, dass man dort allerdings nicht unbeschränkt Inhalt reinpacken kann – also muss es eine “magische” Schranke geben, ab wann der Titel dann nicht SEO-Relevant ist.

Halten wir zunächst fest, was als gesichert gilt (wenn auch nicht belegbar!):

  1. Der Titel hat einen Einfluß auf das Ranking
  2. Je weiter vorne ein Begriff im Titel steht, desto relevanter ist er
  3. Google nimmt einen Titel von bis zu 1000 Zeichen auf
  4. In der Anzeige der Suchergebnisse werden ca. 40-150 Zeichen angezeigt

Bereits der dritte Punkt dürfte viele überraschen, denn gängige Regeln scheinen da klar zu widersprechen. So hört man oft die Aussage: “Ein guter Seitentitel hat 65 Zeichen” oder ähnliches. Horden von Analyse-Tools haben an dieser Stelle feste Werte verdrahtet und werfen sofort Fehler, sobald der Titel sich nicht im vorher eingestellten Intervall befindet.

Dies hat sich aber seit Mitte 2012 verändert – leider (oder zum Glück) in eine Richtung, die zumindest bei Google nicht mehr zu einer eindeutig zu nennenden Zahl führt.

Denn neben dem Ranking ist auch die Anzeige im Suchergebnis immer wichtiger. So klicken nicht wenige Menschen lieber auf aussagekräftige Titel, auch wenn diese im Ranking weiter unten stehen. Aussagekräftig ist der Titel, denn dieser wird vom Seitenbetreiber als “Namensschild” angegeben. Also muss dieser Titel in die Anzeige.

Wenn wir uns aber einmal eine typische Anzeige – z.B. für das Suchwort “TYPO3″ ansehen, so fällt hier einiges in der SERP (Search Engine Result Page) auf:

 

Google SERP für die Suchphrase "TYPO3 Agentur München"

Die Längen variiert zwischen 56 und 61 Zeichen. Wählen wir andere Suchwörter so kommen schnell auf 70, 80 oder mehr Zeichen (der Rekord liegt irgendwo bei über 100 zeichen) bzw. sogar auf weniger.

Schnell wird klar  – die Anzeige der Zeichen hat mittlerweile nichts mehr mit einer festen Zeichenanzahl zu tun, sondern damit, wieviele Zeichen in die Gesamtbreite von etwa 468px Breite passen. Verwendet man viele Buchstaben die breiter sind (w,m,x,d,…) so sinkt die Zeichenzahl, verwendet man Buchstaben die schmaler sind (i,j,!,l,j,…) so steigt die Zeichenanzahl. Darüber hinausgehende Zeichen werden abgeschnitten und mit “…” aufgefüllt.

Trotzdem kann man natürlich auch hier ein Handlungsempfehlung aussprechen:

  1. Der Seitentitel sollte kurz, klar und prägnant sein
  2. Bleibt man unter 50 Zeichen ist man für die Anzeige in der SERP auf der sicheren Seite, verwendet man mehr Zeichen, muss man sich im klaren sein, dass abgeschnitten werden könnte
  3. Ein Wert von 60 Zeichen könnte bei gemischten Buchstaben (breite und schmale) ein guter Wert sein
  4. Die wichtigsten Keywords sollten nach vorne gestellt werden, um das Ranking zu erhöhen

Quellen:

In thi till trill little litter fill! | Is it illicitly lil’ lilli! | If I fill ill jill I’ll frill thrill!

Google SERP shows all 117 characters of my Page

Page Title Pixel Meter – maximize characters in the SERP!

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