2. Auflage „TYPO3 Extbase“ und wie es weitergeht im Selbst-Publishing…

TYPO3-Extbase

Ende des Jahres 2015 hat leider mein über alles geschätzter Verlag Open Source Press seine Verlagstätigkeit eingestellt. Ich habe hier in den letzten 5 Jahren viele Bücher veröffentlicht, die nun natürlich alle nicht mehr verfügbar sind.

Verlag oder Selbst-Publishing?

Natürlich hätte ich nun einen anderen Verlag fragen können, ob er die Bücher weiter verlegen möchte, doch im letzten Jahr kamen mir immer mehr Zweifel daran – und zwar aus den folgenden Gründen:

  • Geht man einmal in eine Fachbuchhandlung, so stellt man fest, dass die IT-Sektionen (zumindest die der Nischen-Produkte wie es TYPO3 beispielsweise ist) nahezu auf unsichtbar zusammenschrumpfen – IT-Bücher werden offensichtlich im Internet gekauft
  • Ich denke, dass die Lobby eines renommierten Verlages für einen Fachbuchautor immer weniger zum Tragen kommt – früher mag das wichtig gewesen sein – so gab es beispielseweise immer viele Bücher von O’Reilly im Hugendubel und weniger Bücher von Open Source Press. Ist ja auch klar – ein großer Verlag wird besser gelistet – evtl. sogar durch bezahltes Positionieren.
  • Immer mehr Fachbuchverlage schließen die Pforten: Addison-Wesley, Markt & Technik, O’Reilly Deutschland, Open Source Press, u.s.w. – ist das Fachbuch in der klassischen Form eventuell ein Auslaufprodukt?
  • Ein Fachbuch benötigt zum Listing beim Buchhändler zwingend eine ISBN – mit dieser ist der Inhalt aber festgeschrieben – es dürfen nur leichte Veränderungen vorgenommen werden. Dazu verändert sich aber die Technik viel zu schnell – eine neue Version von TYPO3 benötigt auch ein aktualisiertes Buch. Dies geht aber nur mit einer neuen Auflage. Und diese kann der Verlag nicht so schnell auf den Markt bringen, wie es notwendig wäre.
  • Ein weiteres Kriterium ist die Geschwindigkeit. Wenn es eine neue Technologie gibt, dann möchte man als Autor früh darüber berichten – dies geht aber oft nicht, da ein komplettes Buch mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden ist. Toll wäre es beispielsweise, ein Buch bei 50% zu veröffentlichen und dann stetig weiter zu schreiben. So wie Manning das mit seinem MEAP-Program macht
  • Die Buchpreisbindung zwingt den Verlag einen einmal festgelegten Preis, nie wieder zu verändern. Was aber, wenn man mal Aktionen für seine Leser fahren möchte? Oder Bundles? Oder eine Verminderung, weil die Auflage schon etwas älter ist?
  • Ein Autor bekommt normalerweise von einem Buch folgende Tantiemen: Nehmen wir an, das Buch kostet 29,99 EUR. Da gehen ersteinmal 7% MwSt. ab – bleiben 28,03 EUR. Nun nimmt sich der Buchhändler (egal ob Amazon oder Hugendubel) 40% Buchhandelsrabatt. Bleiben: 16,18 EUR. Der Autor bekommt dann davon 7-10% – also 1,13 – 1,62 EUR. Sind es zwei Autoren, dann halbiert sich die Tantieme. Daraus folgt natürlich, dass das Bücherschreiben sicherlich nicht montären Motivationen folgt. Trotzdem finde ich das Verhältnis ungerecht – schließlich ist es einzig und alleine der Inhalt, warum ein Leser ein Buch kauft.
  • Trotzdem wird dabei auch der Verlag nicht reich – sonst würden nicht soviele aufgeben. Mitunter ist das auch der Grund, warum ein Verlag Bücher oftmals nicht übersetzen lassen will. Denn Übersetzer arbeiten ausschließlich auf Festpreis und nicht über Tantiemen und diesen Festpreis muss der Verlag erst vorfinanzieren. Kaufen zu wenige ausländische Leser das Buch, macht der Verlag Verlust – dieses Risiko ist vielen Verlagen oftmals zu hoch.
  • Es gibt sicherlich noch zahlreiche weitere Gründe – trotzdem reichen obige völlig aus, um das Experiement „Selbst-Publishing“ zu versuchen.

Leanpub

Es gibt zahlreiche Plattformen zum Selbstpublishing im Netz – aber sicherlich keine ist so offen, fair und transparent wie die Ebook-Publishing-Plattform Leanpub. So verlangt diese Plattform rekordverdächtig wenige 10% (+0,50 EUR) für ihren Service und ich kann das Buch beliebig auf anderen Plattformen ebenfalls verkaufen. Das ist konkurrenzlos. Die Bücher sind allesamt ohne DRM – da man davon ausgeht, dass jemand das Buch bezahlt, wenn der Inhalt einem das Wert ist. Also ein Vertrauensvorschuss.

Zudem kann man als Leser sein Buch 45 Tage lang „zurückgeben“. Das heißt man bekommt bei Unzufriedenheit schlicht sein Geld zurück. Auch wenn man das E-Book noch auf der Platte hat. Auch hier wird dem Leser vertraut – wenn der einen Autor bescheissen will – naja, dann kann er es damit auch machen. Aber ich gehe davon aus, dass das nicht passieren wird.

Leanpub offeriert lediglich ein PDF (druckfähig), EPUB und MOBI. Eine gedruckte Auflage muss der Leser selbst organisieren. Für meine Bücher will ich versuchen, diese bei createspace (per Print-on-demand Dienstleister von Amazon) listen zu lassen. Aber hier gehen natürlich wieder die 40% Buchhandelsspanne (und natürlich die Druckkosten) ab, sodaß dem Autor hier weniger als 30% des Verkaufpreises bleiben.

2. Auflage „TYPO3 Extbase“

Als ersten Projekt gibt es nun das Buch „TYPO3 Extbase“ in einer völlig überarbeiteten 2. Auflage, die komplett an die TYPO3 Version 7.6 LTS angepasst wurde. Zudem wurden auch einige neue Themen aufgenommen (wie z.B. der FAL-Upload) und durch das Feedback der Leser, wird sich der Umfang sicherlich im Laufe der Zeit vergrößern. Der Leser bekommt natürlich alle Aktualisierungen des Ebooks umsonst – auch in der Zukunft.

Aber viel wichtiger ist, dass es uns nun möglich war, zeitgleich die englische Übersetzung zu machen und zu publizieren. Michael Schams aus Australien hat hier einen wirklich überragenden Job gemacht und wir hoffen, dass wir Änderungen in der einen Sprache parallel auch in die andere einfließen lassen können.

Buch-Website: http://www.extbase-book.org

Deutsche Version: https://leanpub.com/typo3extbase

Englische Version: https://leanpub.com/typo3extbase-en

 

Weitere Projekte

Natürlich stehen bereits weitere Selbstpublishing-Projekte in der Pipeline, die ich nun angehen werde:

  • Certified TYPO3 Developer (Vorbereitungsbuch zur Zertifizierung) – ETA: Ende Q1/2016
  • Certified TYPO3 Integrator (Vorbereitungsbuch zur Zertifizierung,. 4. Auflage aktuell zu TYPO3 7.6 LTS) – ETA: Ende Q1/2016
  • Neos CMS Handbuch – ETA: Ende Q2/2016

Update: 18.02.2016

Ich habe das TYPO3 Extbase Buch nun über Createspace bei Amazon eingestellt – nun ist es also möglich, eine Print-Version davon als Print on Demand zu bestellen. Heute bestellt, abends gedruckt und morgen geliefert – versandkostenfrei. Schön :-)

Amazon Direktlink

8 Comments

  1. Hallo Patrick,

    Gratulation zum neuen Extbase-Buch und vielen Dank für die Offenlegung der Zahlen, wer was beim Buch-Verkauf verdient und für Deine Gründe, warum Du Dich für Self-Publishing entschieden hast. Ich finde es toll, dass Du die Bücher aktualisieren möchtest, sobald es in TYPO3 Änderungen gibt und dass Du Dich so engagierst, sehr gute Fachbücher zu fortgeschrittenen TYPO3-Themen zu schreiben. Ich freue mich auf das neue Extbase-Buch und bin schon sehr gespannt auf das Buch zum Certified TYPO3 Developer. Weiter so, didaktisch sind Deine Bücher auch wirklich sehr gut!

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  2. Tolles Konzept! Klasse, ich bin bei einem anderen TYPO3 Buch beim Nacharbeiten auf Fehler gestoßen. Diese lagen dann wohl im TYPO3 Core, werden in einem solchen Fall über leanpub auf solche Fehler oder Updates hingewiesen?
    Das Problem war in dem Fall auch das erst sehr späte abarbeiten der Buchbeispiele nach Erscheinung.

    Das macht auf alle Fälle auch für Einsteiger das Thema Interessanter!

    Ich wünsch viel Erfolg und für alle die noch keine Fachbücher
    Made bei „Lobacher – Team“
    gelesen haben, hier ein „sehr empfehlenswert“.

    Ede K.

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    • Hallo Ede,

      Danke :-)

      Ja, sofern ich Feedback bekomme (oder selber auf Fehler stoße – sei es nun im Core oder im Buch), will ich zeitnah darüber schreiben bzw. die entsprechende Textstelle korrigieren und dann eine neue Version erzeugen, die allen bisherigen Käufern kostenfrei zur Verfügung steht und automatisch per Email zugeht.

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