Shopware 5: Die beste aller Einkaufswelten?

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Liefert Shopware 5 tatsächlich “Emotional Shopping on any Device”? Und wie gut lassen sich die integrierten “Einkaufswelten” und das “Storytelling”-Feature in der Praxis einsetzen? Sind geräteübergreifende Einkaufserlebnisse tatsächlich so einfach und wirkungsvoll umsetzbar, wie es die Schöppinger Softwareschmiede vollmundig und bildreich verspricht? In diesem Blogbeitrag liefern wir Antworten auf diese und weitere Fragen rund um Shopware 5, das momentan womöglich zukunftsweisendste aller Shopsysteme.

Was genau ist Emotional Shopping?

Hinter dem hierzulande nicht zuletzt durch Shopware 5 virulent gewordenen Buzzword ‘Emotional Shopping’ verbirgt sich ein vielschichtiges Marketingkonzept. Die Idee dahinter ist, dass sich zufriedenere Kunden und höhere Umsätze generieren lassen, wenn der Kaufprozess online wie offline durch gezielt eingesetzte Strategien und Mittel emotional ansprechend gestaltet wird. Dazu gehören das Kreieren einer besonderen Atmosphäre, die Inszenierung von Produkten als Elemente einer erlebbaren Welt und ein informatives, möglicherweise interaktives Angebot, das weit über die bloße Präsentation des Sortiments hinausweist.

Mehr zu diesem spannenden Thema haben wir übrigens in unserem Beitrag zum Emotional Shopping zusammengetragen.

Emotional Shopping on any Device?

Shopware hat den Schritt von der Version 4 zu Shopware 5 als regelrechten Quantensprung inszeniert und dabei weder Kosten noch Mühen gescheut: Kinofilm, Website-Relaunch, Marketing-Tour, Neustart des User Group Programms – und so weiter.

Aber das alles nur wegen der neuen Version eines Shopsystems mit den ihr eigenen Neuerungen und Verbesserungen? Ja, denn die haben es in diesem Fall tatsächlich in sich. Und zwar gleich in mehrfacher Hinsicht, denn neben den üblichen Verbesserungen (Bugfixes, verbesserte Performance, neue kleinere Features) gab es diesmal gleich zwei große Würfe.

Zum einen eine große Neuerung, nämlich den Übergang von Shopware zum Responsive Webdesign (RWD) in Form eines sehr sorgfältig umgesetzten responsiven Default-Themes. Und zum anderen eine umfangreiche Verbesserung durch die Überarbeitung der “Einkaufswelten” und die Integration eines intelligenten “Storytelling” Features.

Sehr wichtig ist dabei: Shopware hat großen Wert darauf gelegt, beide Aspekte – Responsivität und die Emotional Shopping Funktionen – eng miteinander zu verknüpfen. Daher die Losung “Emotional Shopping on any Device”. Aber ist die Bereitstellung eines einfach zu bedienenden Rahmens für das Schaffen von geräteübergreifend wirksamen und intensiven, einzigartigen und emotionalen Einkaufserlebnissen tatsächlich gelungen?

Einkaufswelten in Shopware 5

Der Reihe nach. “Einkaufswelten” gab es in Shopware schon vor der Version 5 – aber für das jüngste Major Release wurde das Feature noch einmal gründlich aufgefrischt. Damit stehen nun beeindruckende Funktionen zur Verfügung, die unkompliziert und übersichtlich vom Adminbereich aus zu steuern sind.

Mit Drag-and-Drop und WYSIWYG, also ganz ohne Kenntnisse in Skriptsprachen, lassen sich mithilfe eines intelligenten Layout-Rasters sehr unkompliziert individuell gestaltete Bereiche schaffen, in denen Kunden Artikel aus dem Shop in einer ansprechenden, lebensnahen Umgebung präsentieren können. Neben weiterführenden Informationen in Textform lassen sich auch weitere Medien – insbesondere hochwertige und stimmungsvolle Bilder einbinden, die für eine besondere und unverwechselbare Atmosphäre sorgen. Dabei genügt es, ein hochauflösendes Bild einmal hochzuladen. Shopware übernimmt das Skalieren für die unterschiedlichen Positionen und Größen in den Grids auf unterschiedlichen Endgeräten dann automatisch.

Damit ist den Schöppingern tatsächlich ein ganz großer Wurf gelungen: ohne Extension stehen Shopbetreibern in Shopware 5 Marketing-Möglichkeiten zur Verfügung, von denen die Anwender anderer Shopsysteme nur träumen können – und dabei fällt das Erstellen und Gestalten der Einkaufswelten auch noch ausgesprochen unkompliziert aus.

Allerdings gilt auch: eine Einkaufswelt ist nicht in ein paar Minuten zusammengeklickt. So leistungsfähig dieses Feature ist, so hoch sind auch die Ansprüche an die gründliche Vorbereitung einer Einkaufswelt. Damit am Ende auch wirklich ein rundum gelungener Rahmen für intensive Einkaufserlebnisse entsteht, muss zuvor allerhand bis ins Detail ausgearbeitet werden.

Eine Einkaufswelt steht und fällt mit der Nutzerführung und will in dieser Hinsicht minutiös geplant sein, denn immerhin soll sie schließlich dazu dienen, Besuchern Teile des Sortiments in einer anregenden und lebensnahen Umgebung zu präsentieren, um sie so zu begeisterten Kunden zu machen.

Auch Layout und Design von Einkaufswelten müssen im Vorfeld genau vorbereitet werden – und zwar für alle gewünschten Endgeräte. Und schließlich gilt es, Bildmaterial und gegebenenfalls andere Medien in hervorragender Qualität zu beschaffen oder zu produzieren, damit die Besucher auch wirklich gern und tief in die Einkaufswelt eintauchen.

Das heißt unterm Strich: Shopbetreiber können Einkaufswelten dank den großartigen Features von Shopware in jedem Fall problemlos pflegen, erweitern und verändern. Aber zumindest für die Konzeptionsphase werden viele trotzdem noch die Dienste einer in Shopware, Marketing und Design versierten Agentur in Anspruch nehmen müssen.

Storytelling mit Shopware 5

Vollkommen neu in Shopware 5 ist das Storytelling-Feature in Shopware 5. Es ähnelt in vielerlei Hinsicht den Einkaufswelten und ermöglicht – so wird es auch im Adminbereich abgebildet – in gewisser Weise das Erstellen einer ganz besonderen Art von Einkaufswelten.

Mithilfe dieses Features können Kunden über aufeinander folgende Abschnitte auf kleine Reisen durch den Shop und sein Sortiment mitgenommen werden. So lassen sich aus Anwendungsbeispielen, emotionalen Elementen, relevanten Informationen und anderem mehr unterhaltsame und spannende “Stories” knüpfen, Geschichten erzählen, die fesselnde Einkaufserlebnisse ermöglichen.

Über sogenannte Sideviews lassen sich durch Klicks oder Gesten auf ein Bild diejenigen Produkte anzeigen, die darin thematisiert werden – und zwar innerhalb der Einkaufswelt beziehungsweise Story und ohne Wechsel in die eigentliche Shop-Ansicht. Und wer mehr Informationen zu einem Produkt wünscht, klickt oder toucht es an und erhält in einem Quickview die gewünschten Einblicke inmitten der emotional ansprechenden Umgebung, so dass er in der erzählten Geschichte anschließend nahtlos fortfahren kann.

Das ermöglicht Storytelling (mehr zu diesem spannenden Marketing-Konzept in unserem Blog-Beitrag zum Thema) par excellence – und zwar responsiv, denn auch das Storytelling Feature in Shopware 5 ist natürlich geräteübergreifend einsetzbar. Aber konzeptionell stellt es Shopbetreiber vor dieselben hohen Anforderungen wie die Einkaufswelten und wird es für Onlineshops ohne eigene Design- und Marketing-Abteilung ebenfalls nötig machen, eine Agentur für die Erarbeitung eines rundum stimmigen Rahmens mit ins Boot zu holen.

Sehr ärgerlich für die Nutzer der Open Source Variante von Shopware 5 ist, dass das Storytelling “Advanced Feature” und daher nicht in der Shopware 5 Community Edition enthalten ist. Für die Nutzer der kostenpflichtigen Editionen ist es aber ein sehr leistungsfähiges Instrument, für das Shopware ein umfangreiches How To: Storytelling mit Shopware 5 bereitgestellt hat.

Shopware 5 und RWD

Was die Umsetzung des Responsive Webdesign Ansatzes betrifft, ist den Machern von Shopware 5 ein weiterer großer Wurf gelungen. Das neue responsive Default-Theme ist ausgesprochen clean und in zeitgemäßem Flat-Design gehalten. Daher kann es für eigene Entwürfe sehr unkompliziert angepasst werden.

Zudem ist es technisch sehr sauber umgesetzt worden, so dass Entwickler gleich loslegen können – und nicht erst herstellerseitige Schnitzer und Ungereimtheiten ausbügeln müssen. Die Usability auf mobilen Endgeräten fällt tatsächlich so gut aus, wie versprochen: Off-Canvas-Menüs, für Touchgesten optimierte Bedienelemente, fingerfreundliche Buttons, Galerien mit Pinch-to-Zoom und Slider mit Momentum Scrolling sind in Shopware 5 schon standardmäßig an Bord und funktionieren so, wie man es sich vorstellt. Großartig gelungen ist die Umsetzung des RWD-Konzeptes im Adminbereich – insbesondere in der Verwaltung von Einkaufswelten und Storytelling, die sich übersichtlich und unkompliziert für mobile Endgeräte anpassen lassen. “Emotional Shopping on any Device” ist also tatsächlich nicht zu viel versprochen.

Fazit: Das leistet Shopware wirklich

Vor, zum und nach dem Release von Shopware 5 haben die Schöppinger den Mund sehr voll genommen und in der E-Commerce-Szene für reichlich Wirbel gesorgt. Und bei der intensiveren Auseinandersetzung mit der neuen Version des Systems zeigt sich: die große Show war alles andere als viel Lärm um nichts.

Mit Shopware 5 wurde eine E-Commerce-Plattform vorgestellt, die hervorragende Lösungen für die zentralen Probleme der Branche bereithält: ein grundsolides, sehr sauber umgesetztes RWD-Konzept für geräteübergreifende Umsätze im Mobile-Commerce, tief integrierte und sehr leistungsfähige Funktionen für elaboriertes Emotional Shopping mithlfe von Einkaufswelten und Storytelling, onpage-optimierte Templates, umfangreiche eingebaute SEO- und weitere Marketing-Funktionen, eine verbesserte Code-Basis, gute Out-of-the-box-Performance und natürlich alles was sonst zu einem Shopsystem dazugehört, etwa ein reichhaltiges Ökosystem mit nützlichen Erweiterungen. Shopware 5 setzt Maßstäbe und liefert Shopbetreibern genau die Werkzeuge, die sie in einem immer härter werdenden Marktumfeld benötigen.

Was ist Storytelling – und ist das wichtig?

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Storytelling ist ein typisches Buzzword – aber was genau verbirgt sich dahinter? Lässt sich das überhaupt bestimmen? Jetzt mehr darüber lesen!

Storytelling: Was steckt hinter dem Buzzword?

Der Begriff ‘Storytelling’ ist in der aktuellen E-Commerce- und Online-Marketing-Szene allgegenwärtig. Und zwar so sehr, dass er einigen bereits auf die Nerven geht. Warum eigentlich wird derzeit in allen möglichen Zusammenhängen vom Geschichtenerzählen gesprochen? Der Begriff ‘Storytelling’ erweist sich seit geraumer Zeit als geradezu virulent – aber handelt es sich dabei lediglich um einen Hype oder kurzlebigen Trend? Was verbirgt sich hinter dem Buzzword?

In einem Wort: allerhand. Die Relevanz dieses Themas kann man wohl gar nicht zu hoch einschätzen – allerdings meinen längst nicht alle dasselbe, wenn sie über Storytelling reden. Inzwischen ist es nicht mehr ganz einfach, sich einen Überblick über die aktuelle Diskussion zu verschaffen. Es wird also Zeit, etwas Ordnung in einen unübersichtlich gewordenen Bereich zu bringen. Fangen wir an.

Start with “Start with Why”

Aber wo und wie fangen wir an? Storytelling als beschreibbares Phänomen ist im Kommunikations- und Marketing-Bereich nicht erst mit der Einführung des Begriffes ‘Storytelling’ aufgetaucht. Letztlich ist eine Geburtsstunde auch nicht genau auszumachen. Es bleibt aber festzuhalten, dass der Ursprung der aktuellen Storytelling-Debatte nicht selten bei Simon Sinek verortet wird, der – dem kollektiven Gedächtnis der Branche zufolge – mit seinem TED-Talk “Start with Why” und dem gleichnamigen Buch den Anstoß zur Diskussion um das Storytelling gelegt haben soll.

Es lässt sich für oder gegen diese Sichtweise argumentieren. Wichtig ist: tatsächlich findet sich bei Simon Sinek ein elementarer Gedanke, der eng mit der später entstandenen Storytelling-Hochkonjunktur zusammenhängt: Wer interessieren, begeistern, beeinflussen und damit Erfolg haben will, darf sich dabei nicht in erster Linie auf das Was konzentrieren.

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Sineks “Golden Circle” kehrt das oft strapazierte Schema Was–Wie–Warum einfach um: Warum–Wie–Was. Das heißt: das Was hat in der Kommunikation mit emotionaler Relevanz nicht im Vordergrund zu stehen, sondern ist drittrangig. Entscheidend ist das Warum – und auch das Wie ist in diesem Zusammenhang wichtiger als der vermeintliche “Kern” der Sache. Es kommt demnach darauf an, zu vermitteln, warum man etwas tut, dabei sehr genau darauf zu achten, wie man das vermittelt – was man eigentlich tut, ist unter Marketing-Gesichtspunkten nicht so zentral, wie oft angenommen wird.

Ist das so neu?

Aber was ist daran so neu? Alle wissen, dass es im Marketing auf weit mehr ankommt, als die Übermittlung von nackten Fakten. Alle wissen, dass man Menschen nur erreichen und überzeugen kann, wenn man emotionale Momente an der Kommunikation beteiligt – und nicht rein rationale Botschaften aussendet. So auch Simon Sinek – aber er hat darauf hingewiesen, dass der größte Teil der Unternehmenskommunikation sich weiterhin auf das „Was“ konzentriert und alles, was darüber hinausgeht, den harten, trockenen Fakten unterordnet. Er sagt: die emotionalen Aspekte sind im Marketing eben nicht als schmückendes Beiwerk oder als Mittel zum Zweck zu betrachten: alles dreht sich um sie und alles hängt von ihnen ab.

Simon Sinek wiederholt es immer und immer wieder: “People don’t buy what you do; they buy why you do it”. Wer sich oder etwas präsentiert und will, dass wirklich hängen bleibt, was er sagt, darf sich nicht dabei aufhalten, was er tut oder worum es sich handelt. Wichtig ist nicht-explizites Kommunizieren, das prinzipiell offen bleibt. Nicht Antworten auf ungestellte Fragen geben, sondern ein Spiel von Fragen und Antworten evozieren. Es geht nicht darum, lückenlose, vollständige, fertige “Kommunikate” in den Raum zu stellen. So etwas interessiert niemanden. Es geht hier gerade nicht um Informationen, sondern um alles um sie herum. Auf Seiten der Empfänger müssen Prozesse wie Verstehen, Interpretation, das Entstehen eines besonderen Bewusstseins stattfinden können.

Dabei geht es um weit mehr als mnemotechnisch relevante, “reichere Gedächtnisspuren”. Denn auf die genannte Weise lässt sich der fruchtbare Boden von Interesse und Emotionen bereiten, auf dem Informationen schließlich Wünsche, Vorlieben, Meinungen, Einstellungen und Entscheidungen beeinflussen und verändern. – Und auch wenn hier weder vom Erzählen noch von Geschichten die Rede war, sind wir mit diesen Überlegungen bereits mitten im viel diskutierten Bereich “Storytelling” gelandet.

Warum “Storytelling”?

Aus der Literaturwissenschaft entlehnt und im Bereich der Kommunikationstheorie weiterverwendet hat der Begriff „Storytelling“ Einzug in die Marketing-Szene gehalten und erlebt dort seither eine beispiellose Konjunktur. Auf seinem Weg in die aktuelle Marketing-Welt hat der Begriff sich allerdings immer weiter von den “Stories” und dem “Telling” im eigentlichen Sinne entfernt. Auch unter Marketing-Gesichtspunkten schließt Storytelling Geschichten mit Figuren und Handlung oder das Erzählen durch eine Erzählinstanz keineswegs aus – aber es setzt weder das eine noch das andere voraus. Und wohl auch aus diesem Grund hat sich ein enorm unscharf konturierter Bereich von Ideen und Konzeptionen entwickelt, die allesamt dem Begriff ‘Storytelling’ zugeordnet werden. Was aber soll Storytelling sein, wenn es ohne Geschichten und ohne Erzählen auskommt?

Was hat Storytelling mit dem Erzählen von Geschichten zu tun?

Storytelling ist längst nicht immer Geschichtenerzählen – aber auch ohne eine Geschichte im eigentlichen Sinne und ohne einen wirklichen Akt des Erzählens hat es ein zentrales Moment mit dem althergebrachten Erzählen von Geschichten gemein: Erfahrbarkeit. Denn auch dem Großvater im Lehnstuhl als dem Urbild des Geschichtenerzählers geht es nicht darum, einen bestimmten Sachverhalt zusammenfassend darzulegen, sondern darum, seinen Zuhörern eine Erfahrung zu ermöglichen. Dabei kann es sich um eine belustigende, eine abschreckende, eine unheimliche, eine aufrüttelnde, eine schöne, eine verstörende, eine langweilige oder um eine komplex zusammengesetzte Erfahrung handeln.

Ob eine Geschichte zur Unterhaltung, zur Belehrung oder zur Selbstdarstellung erzählt wird: die Rezipienten werden dabei Erfahrungen machen – und zwar sehr individuelle Erfahrungen. Indem man im Marketing von der Übermittlung von bloßen Informationen absieht, gelangt man in einen damit eng verwandten Bereich möglicher individueller Erfahrungen. Wir kommen der Sache also langsam näher: Storytelling als Marketing-Technik hat individuelle Erfahrungen zum Ziel. Aber mit welchen Mitteln, wenn nicht mit erzählerischen?

No Story, no Telling?

Man kann darüber streiten, ob der Begriff „Storytelling“ überhaupt noch zu den Techniken passt, die er im Marketing-Bereich mittlerweile bezeichnet. Die Argumente dagegen liegen auf der Hand: “Wo ist denn die Geschichte?” “Wer erzählt denn hier?”. Rückendeckung erhält das Storytelling als feste Größe in der Marketing-Debatte dagegen aus der “Narratologie”, einem umfangreichen, interdisziplinären Forschungsfeld (ursprünglich mit literaturwissenschaftlichem Schwerpunkt), das sich der Erforschung des Erzählens in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen widmet.

Jahrzehntelang galt unter Narratologen der Satz “Jemand erzählt jemandem etwas” als unhintergehbarer Kern allen Erzählens. An der Schwelle zum 21. Jahrhundert wurde der Begriff ‘Erzählen’ unter Narratologen allerdings noch einmal kritisch beleuchtet, so dass mitllerweile auch ein an experimentellen Texten und multimedialem Erzählen orientierter, weiter gefasster Erzählbegriff kursiert. Und der passt ganz ausgezeichnet in die Marketing-Debatte unserer Tage. Erzählen besteht demnach letztlich in der Reihung und Verknüpfung von Elementen zu Zusammenhängen – seien dies sprachliche Einheiten, Bilder, Bewegtbilder, Töne und Geräusche oder etwas anderes.

Elementares Erzählen, granulare Geschichten

Betrachtet man das Erzählen auf einer derart elementaren Ebene, ist es nur noch ein Schritt, in ganz unterschiedlichen, formal offenen Reihungen “Geschichten” zu erkennen und zu beschreiben. Und siehe da: Narrativität lässt sich bis in die Psychologie und die Tiefen unserer Persönlichkeit verfolgen. Und auch das, was wir Identität nennen, lässt sich sehr gut als narrativ verfasst beschreiben – wenn auch ohne Geschichte und ohne Erzähler. So gesehen ist es wirklich höchste Zeit, dass diese Aspekte in der Marketing-Welt in ihrer ganzen Tragweite verstanden und diskutiert werden. Ob man es am Ende “Storytelling” nennt oder nicht: hier geht es um grundlegende und zentrale Fragen rund um Kommunikation und Kognition – ganz abstrakt und zugleich sehr konkret.

Wir funktioniert Storytelling als Marketing-Technik?

Wie aber wird aus dem Aneinanderreihen von irgendwelchen Dingen eine emotionale Erfahrung? Was heißt es konkret, wenn Storytelling als Marketing-Technik als gezielte Reihung und Verknüpfung unterschiedlicher wirksamer Momente verstanden wird? Scheinbar ist damit ja noch nicht viel Brauchbares gesagt. Aber wenn man sich die Momente ansieht, die in Geschichten “wie sie im Buche stehen” oder im Kino zu sehen sind, den Fundus an klassisch-erzählerischen Mitteln als Steinbruch nutzt, sieht das schon anders aus.

Denn schon immer sind im Erzählen von Geschichten Elemente wirksam, die in den unterschiedlichsten Kommunikationssituationen zum Tragen kommen: Erwartung, Überraschung, Veränderung, Spannung, Konflikte, Offenheit, Anfang und Ende – um nur einige zu nennen. Unter Marketing-Gesichtspunkten geht es beim Storytelling darum, bestimmte, aus dem traditionellen Geschichtenerzählen bekannte Verfahren und Elemente in strukturell ganz anders organisierte Diskurse einzuflechten.

Auf diese Weise entstehen keine langweiligen Botschaften in Form von Empfehlungen in eigener Sache (“Wir sind…” “Dieses Produkt kann…”), sondern kommunikative Komplexe, die weit über ihren tatsächlichen “Inhalt” hinausweisen und echte Erfahrungen ermöglichen. Dabei kann auch der Kontext der jeweiligen kommunikativen Situation eine sehr wichtige Rolle spielen – immerhin bildet er den Rahmen für die evozierten Erfahrungen.

Es geht also darum, Emotionen zu entfesseln, Erlebnisse zu entfalten und im Adressaten ein Spiel zu eröffnen, das dieselben Wirkungen zeitigen kann wie das Erzählen einer Geschichte. Aber man sollte sich keine fertige Geschichte ausdenken und erzählen wollen. Erfolgreich kommunizierende Marken erschaffen nicht mehr einfach ein bestimmtes Bild von sich. Das funktioniert nicht mehr. Sie müssen dafür sorgen, dass die Leute sich ein bestimmtes Bild von ihnen machen.

Storytelling 2.0?

Das Internet bietet nicht nur unzählige Wege, die Aufmerksamkeit von Menschen zu erregen und zu fesseln – es bietet auch unzählige Möglichkeiten, übersehen, überhört und ignoriert zu werden. Daher sind Trends im Online-Marketing weit mehr als bloße Modeerscheinungen – sie entfalten oftmals enormes disruptives Potential.

Längst wird Storytelling auch und gerade im Online-Bereich intensiv diskutiert, was sich auch in neuen Entwicklungen wie dem Dienst Twitter Curator zum Zusammenstellen und Miteinander-Verbinden von Inhalten zu bestimmten Themen oder dem Einkaufswelten-Feature in Shopware 5 widerspiegelt. In gewisser Hinsicht lassen sich die Social Media Kanäle auch als Teilchenbeschleuniger für die Elemente, aus denen Stories entstehen, betrachten. Das “Telling” wird von den Usern geleistet – und so entsteht durch ständiges Teilen, Kommentieren und Weiterspinnen eine “Story”, die sich kein Mensch und kein Marketing-Team der Welt hätte ausdenken können.

Wie funktioniert Storytelling in Online-Marketing und E-Commerce?

Storytelling ist auch und gerade im aus Texten, audiovisuellen Medien und Schnittstellen zur Interaktion bestehenden Internet überall möglich – eben weil es sich dabei letztlich um recht abstrakte Verfahren handelt, die sich in den unterschiedlichsten Zusammenhängen und mit allen möglichen Materialien einsetzen lassen. Warum man in welcher Weise welche Elemente zusammenbringt, hängt davon ab, wen man erreichen möchte. Ebenso wie der Kontext und der oder die Kanäle, in denen man die Versatzstücke für eine sich am Ende wie von selbst erzählende “Geschichte” lanciert.

Im Online-Marketing waren bereits zahlreiche Trends zu beobachten, die man dem Bereich Storytelling zuordnen kann (Social Media Marketing und Content Marketing etwa haben große Schnittmengen mit Storytelling). Und auch in der immer dünner werdenden E-Commerce-Luft wird es zunehmend schwieriger, sich zu behaupten, wenn man seinen Kunden keine besondere “Erfahrung” zu bieten hat.

Ein Onlineshop – und sei er noch so gut sortiert und noch so preisgünstig – hat zunächst das Ambiente eines Discounters: “Hier und hier und hier haben wir diese Artikel. Bitte schnell aussuchen und dann ab zur Kasse”. Das funktioniert – aber wenn die Konkurrenz plötzlich mit Vorzügen Aufmerksamkeit erregen kann, die man aus dem kleinen Laden um die Ecke kennt (“Storytelling” durch ein unverwechselbares, stimmiges und anregendes visuelles Erscheinungsbild, wirklich relevante Informationen, die über die Eigenschaften der Produkte hinausgehen und anderes mehr), wird es immer schwieriger allein mit Sortiment und Service zu punkten. Storytelling wird immer wichtiger – und es entwickelt sich fortwährend weiter.

Wie wird Storytelling in Zukunft aussehen?

Als wichtiger Bereich für qualitatives Wachstum wird Storytelling im Online-Bereich nicht nur immer wichtiger werden, sondern in der Praxis auch immer raffiniertere Formen annehmen. Wohin genau die Entwicklung dabei gehen wird, lässt sich noch schwer abschätzen. Immerhin werden derzeit immer wieder längst ausgediente Altlasten in die aktuelle Diskussion zu diesem Thema hineingetragen. So wird hartnäckig behauptet, Geschichten oder Stories bräuchten einen Protagonisten oder Helden, eine Handlung, Dramatik, eine Moral und sie müssten von einem Erzähler erzählt werden – nämlich einem still harrenden Publikum.

In der aktuellen Marketing-Debatte treffen solche uralten auf progressive Auffassungen von Storytelling aufeinander, was nicht selten für einige Verwirrung sorgt. Aber über kurz oder lang werden sich hier die progressiven Stimmen durchsetzen. Eine zeitgemäße Auffassung von Storytelling als geschickte Verknüpfung von unterschiedlichen Elementen zu erfahrbaren Zusammenhängen eröffnet auch in den Bereichen E-Commerce und Online-Marketing eine verheißungsvolle Zukunft: mehr Atmosphäre, mehr Spannung, mehr Witz – echte Erlebnisse. Und nicht einfach nur Informieren und Einkaufen.

Storytelling auch für Sie?

Wenn wir mit dieser Abhandlung über Storytelling Ihr Interesse wecken konnten, dann sprechen Sie uns an – wir freuen uns auf den Dialog mit Ihnen!